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2018年2月23日 星期五

Schulterblick beim Chefredakteur

WELT AM SONNTAG

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
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dass man nur die im Lichte sieht, die im Dunkeln aber nicht, wie der Wahlberliner Bert Brecht einst dichtete, gilt heute längst nicht mehr. Die Scheinwerfer mögen in dieser Woche mal wieder auf die Stars gerichtet sein, die den roten Teppich Richtung Berlinale-Palast entlangflanieren. (Wir sind mit einer ganzen Truppe Reporter ausgeschwärmt und berichten Ihnen gewissermaßen live von den letzten Tagen des Festivals und der Preisverleihung.)

Aber auch im Schatten der Scheinwerfer ist in der Hauptstadt jede Menge los, wovon wir Ihnen diese Woche berichten. Künstler, Start-up-Unternehmer, experimentierfreudige Singles, Paare sowie neugierige Touristen erproben in Clubs und auf privaten Parties, zu denen man über soziale Medien Einladungen erhält, die Zukunft des Sex. Sie treffen sich zu Public-Porn-Viewings, tauschen munter ihre Partner und entdecken neuartiges Intimspielzeug. Meine Kollegin Brenda Strohmaier hat sich in der Szene umgetan und eine atemlose Reportage geschrieben, die eine Avantgarde beschreibt, die heute vorlebt beziehungsweise vorliebt, wovon der Rest der Welt vorerst noch träumt. Tauchen Sie in der Lektüre schon mal ein, ins Sex-Utopia Berlin.

Von solch freimütiger Entspannungspolitik könnte sich der Rest Europas einiges abschauen. Während sich die Mitte des Kontinents müht, die Herausforderungen von Flucht und Migration zu meistern, verfolgen die Länder im Osten eher eine Politik der Abschottung. Der bulgarische Intellektuelle Ivan Krastev, dessen Buch „Europadämmerung" Furore macht, erklärt im Interview die Mentalität oder vielmehr die verschiedenen Mentalitäten, die für diese Haltung verantwortlich sind. Der neue Nationalismus und die Europaskepsis verdanken sich, meint Krastev, auch den Erfahrungen mit dem Kommunismus. Eine aufschlussreiche Analyse!

Ein anderes Phänomen, das nach Erklärung schreit, ist die Konjunktur des Saarlandes. Das kleine Bundesland, in dem eine eigenwillige Variante des Deutschen gesprochen wird, schickt sich an, die Bundespolitik entscheidend zu prägen. Nicht nur Peter Altmaier, Noch-Kanzleramtschef und womöglich bald Wirtschaftsminister, sondern auch Merkels auserkorene Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer stammen von dort. Reiner Zufall, oder steckt mehr dahinter? Unsere unerschrockene Reporterin Hannelore Crolly hat sich aufgemacht in die vermeintliche Provinz.

Im Feuilleton betreiben wir derweil eine Ehrenrettung des normalerweise vielgescholtenen Mainstreams. Mein Kollege Lucas Wiegelmann hat festgestellt, dass es sich beim Mainstream um ein wesentlich selteneres Pflänzchen handelt, als oft angenommen. Denn wenn alle den Mainstream verachten, wo fließt er dann eigentlich?

Was erwartet Sie noch in der WELT AM SONNTAG? Ein Besuch in Stings labyrinthischem Garten (inklusive Blutbuche und Skelett einer vor Jahrhunderten ermordeten Frau). Oh, und natürlich eine Begegnung mit Gretchen Dutschke, der Frau von Rudi, die nach einem langen Marsch durch die Institutionen im Journalistenclub von Axel-Springer angekommen ist. Stefan Aust und Claus Christian Malzahn haben sie dort zu 50 Jahren Achtundsechzig befragt. Ob sich Gretchen Dutschke dort fühlte wie ein Fisch im Wasser, lesen Sie am Sonntag am besten selbst.
 
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Hier sehen Sie jedenfalls eines der Aquarien, die in der Berliner Springer-Passage über der sogenannten Mittelbar trohnen, wo sich übermüdete Redakteure ihre Koffeinrationen holen. Die Zierfische verstecken sich gerade. Es gibt aber jede Menge von ihnen, und wie man hört, haben sie alle eigene Namen.

Herzliche Grüße
Ihr Jan Küveler, Creative Director
 

taz Newsletter vom 23. Februar 2018

*** taz am wochenende ***
1. THEMEN AM 24./25. FEBRUAR

*** Geschenkt ***
2. FREIKARTEN FÜR DAS RADIALSYSTEM
3. FREIKARTEN FÜR TALCO

*** taz blogs ***
4. 360° BERLINALE: DAS FILMFESTIVAL AUF DEN BLOGS DER taz
5. JOURNALIST DES JAHRES 2017
6. VON MALI BIS ANS ENDE VON ALASKA
7. AFD-KAMPAGNE GEGEN DENIZ YÜCEL

*** taz shop ***
8. PRODUKT DER WOCHE: FLÖTEN-WASSERKESSEL

*** taz mit Behinderung ***
9. SPECHT DER WOCHE

*** taz Bewegung ***
10. ALLES DREHT SICH UM REVOLUTION

*** taz zahl ich ***
11. DAS WIRD EIN GUTES JAHR!

*** Veranstaltungen in Berlin ***
12. WHAT THE taz: MINORITY REPORT
13. ZUKUNFT DES JOURNALISMUS

*** Kontakt ***
*** Newsletter abbestellen ***
*** Impressum ***

******************************************

*** taz am wochenende ***
1. THEMEN AM 24./25. FEBRUAR

NATURSCHUTZ: An der Küste Rügens treiben diesen Winter ungewöhnlich viele tote Kegelrobben an. Wer hat sie umgebracht? Und warum? Eine Ermittlung unter Ostsee-Fischern.

DEMOKRATIE: Die Schweiz stimmt über die Rundfunkgebühr ab. Gewinnen die Gebührengegner, könnte erstmals ein europäisches Land seinen öffentlichen Rundfunk abschaffen. Was das mit der Debatte in Deutschland zu tun hat.

BERLINALE: Die 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin gehen zu Ende. Drei Seiten über Premieren, Schauspieler und die Macherinnen hinter der Kamera. Und eine Reportage: welche Rolle spielte die #MeToo-Debatte?

INTEGRATION: Wie erleben syrische Flüchtlinge in Europa ihre Sexualität? Mit diesem Thema beschäftigt sich unser Autor schon lange. Ein Besuch in einem arabischen Erotikshop und einem Darkroom in Berlin.

NATIONALSOZIALISMUS: Fred Heyman überlebte als Teenager in Berlin die Judenverfolgung der Nazis. Ein Bericht über den Antisemitismus aus Kindersicht und eine Familie, die in größter Not geholfen hat.

SACHKUNDE: Weniger Zucker, weniger am Smartphone hängen, weniger das Auto nutzen: Was bringt das Fasten vor Ostern? Wir haben einen Arzt, eine Soziologin und eine Theologin gefragt.

Mit Kolumnen von Bettina Gaus, Klaus Raab, Rainer Schäfer und Philipp Eins.



*** Geschenkt ***
2. FREIKARTEN FÜR DAS RADIALSYSTEM

In ihrem Musiktheater Whole Body Like Gone verhandeln Dénise Beck und das Zafraan Ensemble die Sehnsüchte der Popkultur.
Wir verlosen 2x2 Karten für die Vorstellung am 11. März.
http://www.taz.de/!166020/



3. FREIKARTEN FÜR TALCO

Drei Jahre nach dem letzten Album sind die italienischen Ska-Punker mit neuem Material zurück.
Wir verlosen jeweils 1x2 Karten für die Konzerte in München, Berlin, Stuttgart, Köln und Hamburg.
http://www.taz.de/!165968/



*** taz blogs ***
4. 360° BERLINALE: DAS FILMFESTIVAL AUF DEN BLOGS DER taz

Gleich zwei Blogs der taz berichten fast rund um die Uhr und aktuell von den Screenings und Premieren der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Näher dran sind Sie nur im Kino:

Viel Spaß mit unserem Filmanzeiger Manuel Schubert
http://blogs.taz.de/filmanzeiger/

und Popblogger Christian Ihle
http://blogs.taz.de/popblog/



5. JOURNALIST DES JAHRES 2017

Für ihre G20-Berichterstattung wird die taz gleich mehrmals gelobt. Der Freundeskreis #FreeDeniz erhält Sonderpreis.
http://blogs.taz.de/hausblog/2018/02/20/journalist-des-jahres-2017/



6. VON MALI BIS ANS ENDE VON ALASKA

Seit 2011 ermöglichen FörderInnen und SpenderInnen wichtige Recherchen im Ausland, die sonst kaum zu finanzieren wären.
http://blogs.taz.de/hausblog/2018/02/20/auslandsrecherchefond/



7. AFD-KAMPAGNE GEGEN DENIZ YÜCEL

Die rechte Verunglimpfung Deniz Yücels hat nach dessen Freilassung Hochkonjunktur. Die AfD mischt fleißig mit.
http://blogs.taz.de/hausblog/2018/02/21/antrag-auf-missbilligung/



*** taz shop ***
8. PRODUKT DER WOCHE: FLÖTEN-WASSERKESSEL

Unser Wasserkessel flötet nicht nur laut und - naja - melodisch, er erhitzt Wasser auch energiesparend und mitunter schneller als herkömmliche Wasserkocher.
https://tinyurl.com/tazshop-Wasserkessel



*** taz mit Behinderung ***
9. SPECHT DER WOCHE

Musik für alle: Christian Specht findet, Musik von behinderten Menschen sollte mehr öffentliche Aufmerksamkeit finden.
www.taz.de/!166029



*** taz Bewegung ***
10. ALLES DREHT SICH UM REVOLUTION

Vier Veranstaltungen zum Thema Revolution - welche Bedeutung hat der Begriff heute?
www.taz.de/!166036



*** taz zahl ich ***
11. DAS WIRD EIN GUTES JAHR!

Im Januar haben sich 399 Personen bei taz zahl ich angemeldet, 95 davon über ihr Smartphone.
www.taz.de/!165994



*** Veranstaltungen in Berlin ***
12. WHAT THE taz: MINORITY REPORT

Die taz2-KolumnistInnen stellen sich dem Publikum. Sie lesen und diskutieren, was sie und die Gesellschaft bewegt. Im Februar geht es um Minderheiten, um Völkerverständigung, Nachbarn, Diskriminierung und um das Wichtigste im Leben: die Liebe. Unsere KolumnistInnen beschäftigen sich mit den Formen der Nächstenliebe, der verweigerten Liebe und dem gänzlichen Gegenteil, dem Hass. Sie schreiben über alltägliche Formen der Diskriminierung, Rechte der Frauen und Pflichten der Männer.

Dienstag, 27.02.2018, 19.30 Uhr
Fahimi Bar, Skalitzer Str. 133, 10999 Berlin
Eintritt frei
Die Fahimi Bar ist eine Raucherkneipe
http://taz.de/What-the-taz-2702/!163008/



13. ZUKUNFT DES JOURNALISMUS

Die Digitalisierung verändert den Journalismus: Seine Produkte, seine Darstellungsformen, seine Erlösmodelle, die Arbeitsbedingungen von Journalistinnen und Journalisten und nicht zuletzt auch ihre Rolle. Aus Leserinnen und Lesern werden Nutzerinnen und Nutzer, die zunehmend bereit sind, für Inhalte zu zahlen – nicht nur mit Geld, sondern auch mit ihren wertvollen persönlichen Daten.

Mittwoch, 28.02.2018, 19.00 Uhr
taz Café, Rudi-Dutschke-Str. 23, 10969 Berlin
Eintritt frei
http://taz.de/Diskussion-28022018/!166003/


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*** Impressum ***

taz Verlags- und Vertriebs GmbH
Rudi-Dutschke-Strasse 23
10969 Berlin
Geschäftsführer: Karl-Heinz Ruch
USt.ID: DE136627665

Amtsgericht Berlin-Charlottenburg 92 HRB 14548

E-Mail: newsletter@taz.de
Telefon: 030 259 02 119

Verantwortlich im Sinne des Presserechts:
Jochen Ronig

2018年2月22日 星期四

Bilanz komplett NEU: Ausgabe, Layout, am Kiosk? Neu, neu, neu!

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Liebe Leser,
morgen erscheint die März-Ausgabe der Bilanz, und diesmal müssen Sie aufpassen: Denn sie liegt, erstens, nicht mehr der „Welt" bei und ist, zweitens, auch nicht wiederzuerkennen. Das sind zwei wichtige Neuerungen. Aber der Reihe nach.
 
Knapp vier Jahre und achtunddreißig Ausgaben lang haben wir die „Welt" bereichert in Gestalt eines kostenlosen Suppléments. Doch damit ist es jetzt vorbei, ein für alle Mal, denn wir haben nichts mehr zu verschenken. Mit dem morgigen Tag geht die Bilanz republikweit und, wie man listig sagt, flächendeckend als eigenständiges Magazin völlig solo „an den Kiosk": unabhängig, ungebunden und fünf Euro teuer. Nur die Abonnenten der „Welt" beziehen die Bilanz auch weiterhin vergütungs- und gebührenfrei, was für den einen oder anderen ein Grund sein könnte, einmal ernsthaft über den Abschluss eines solchen Abonnements nachzudenken.
 
Ermutigt und ermuntert zu diesem Vorstoß haben uns die sehr guten Ergebnisse, die die Bilanz zuletzt an einigen ausgesuchten Standorten im Einzelverkauf erzielen konnte: Die Marke hat sich im Wettstreit der Wirtschaftspresse fest etabliert und ist im Leser- und Anzeigenmarkt zu einer starken, und damit meine ich: stetig wachsenden Größe geworden. Ich sage das so leichthin, auch wenn es für Sie möglicherweise von nicht ganz so großem Interesse ist, als dass Sie es sich extra in Ihr Tagebuch eintragen würden.
 
Was unseren niedrigen Wiederkennungswert angeht:
 
Aus lauter Freude, Tatendrang und Gewohnheit haben wir das Erscheinungsbild der Bilanz gleich rundherum und radikal verändert, ihre Titelseite mit einem kalten und bis zur Humorlosigkeit modernen Schriftzug versehen, der auf einer Decke in der Nacht gefallenen Schnees liegt, und ihren Innenteil entzerrt, aufgeklart und gelüftet – mehr Weißraum, mehr Spalten, mehr Großzügigkeit, mehr Weniger. Kurz, Largesse allenthalben.
 
Vorgenommen hat die Schönheitsoperation der Berliner Kunstsammler, Medienunternehmer und Kommunikationsdesigner Christian Boros, eine der edelsten und vornehmsten Autoritäten seines Fachs: „In digitaler Zeit muss ein Printmedium eine Oase der Klarheit sein", sagt Christian Boros. „Reduktion schafft Relevanz, alles Unnötige ist Zeitverschwendung." Dem ist nichts hinzuzufügen.
 
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Für die Revolutionsausgabe waren unsere Skandal- und Sensationsreporter wie immer weltweit unterwegs, unter anderem in:
 
1. Frankfurt: In ihrer einstigen Paradedisziplin („Zusammenschlüsse & Übernahmen") ist die hiesige Filiale der glorreichen Investmentbank Goldman Sachs nur noch ein Schatten ihrer selbst, so sagt man es ja wohl. Einst Deutscher Meister in Serie, jetzt mit Entschiedenheit bis auf Rang elf durchgereicht. Man rätselt über die Gründe. Kurzzeitig haben wir überlegt, in der Titelzeile irgendwas mit „Goldman Sucks" zu dichten, aber es dann doch gelassen. Vielleicht war das ein Fehler. Unser Cover-Boy ist Deutschland-Chef Wolfgang Fink. Er hat uns erzählt, wie es um sein Institut steht und dass alles halb so schlimm sei. Dies ist der sehnliche Wunsch aller Beteiligten: Dass es sich um einen begrenzten Störfall handeln möge.


 
2. Hamburg: Die schlechtesten Manager, hieß es früher, seien in der Medienbranche tätig. Aus Grün­den, die Au­ßen­ste­hen­den wohl für immer ver­schlos­sen blei­ben, waren Ver­lagsleute nach der Jahrtausendwende dazu über­ge­gan­gen, ihre teuer pro­du­zier­ten Waren (fidele Ent­hül­lun­gen, belebende Re­por­ta­gen, ausgereifte For­mu­lie­run­gen) im In­ter­net zu ver­schen­ken, so wie die köl­schen Je­cken ihre Kamelle, umjubelt und angefeuert von einem in­ter­na­tio­na­len Brain-Trust aus der Computer-, Marketing- und Medienindustrie (sic!).
 
Mit Bra­vour hatten die Präzisionsmanager ihrer Kund­schaft binnen kürzester Zeit das Be­zah­len abgewöhnt und waren zur äu­ßers­ten Raserei des Ver­schleu­derns frenetisch durchgestossen, indem sie ihren Ver­schen­k-Ak­tio­nen auch noch den beseligten Ausdruck einer Zukunftsstra­te­gie verliehen. In den Direktorien der Verlagshäuser bildeten sich Trauben, als hätte der BVB gegen Schalke gewonnen.
 
Bis zum heutigen Tag betrachten manche Medienmanager die Unlust der Leute, für Informationen zu bezahlen, als Beleg für die Richtigkeit ihrer These, dass man sie verschenken müsse. Axel Springer hat sich dieser Politik früh und erfolgreich entgegengestellt, und dass die Bilanz der „Welt" nun nicht mehr kostenlos beiliegt, zeigt, wes Geistes Kind wir sind. Aber dies nur nebenbei und außer der Reihe.
 
Worauf ich hinaus will, ist, dass auch die Schifffahrt ihre düsteren Geheimnisse hat. Gewiss, die Reeder sind nicht auf die Idee gekommen, ihre Schiffe zu verschenken, doch sie haben so viele (unter Beihilfe der HSH Nordbank) bestellt und bauen lassen, bis die Frachtraten und Charterpreise so tief gefallen waren, dass sie kaum noch reichten, um die Kosten für den Betrieb der Dampfer zu decken. Heute liegen die Werte vieler Frachter nur knapp über ihrem Schrottpreis. Nicht viel anders ist es im Informationsgeschäft mit den Informationen. Wir haben mit vier Reedern darüber gesprochen, wie es war, bei jeder Bewegung Wasser zu schlucken und (fast) abzusaufen.
 
 
 
3. Saudi-Arabien: Die Potentaten der Wüstenmonarchie haben eine Zweimillionenstadt auf dem Reißbrett entworfen und stellen sie derzeit ans Ufer des Roten Meeres, die King Abdullah Economic City, kurz KAEC wie cake. Abgesehen von dem selten bekloppten Namen: Das Land baut vor für „die Zeit nach dem Öl". Wir haben mit dem Bauherrn einen Spaziergang durch diese Werkstätten einer absonderlichen Kulissenzivilisation unternommen.
 

 
4. Cambridge, Massachussetts: Im Verein mit den Erfindern des MIT entwickelt Lamborghini ein Elektroauto ohne Batterie. Den Strom liefert die Karosserie. Ob der „Terzo Millennio", so heißt das Gerät, jemals auf die Straße kommt, weiß der Deibel. Wahrscheinlich ist es nicht. Die Autozeitschriften sind voll mit diesen „Studien". Aber eine Demonstration für die Schönheit menschlicher Schöpferkraft, das sind sie schon, diese MIT-Lamborghini-Experimente.
 

 
5. Addis Abeba: Ethiopian Airlines ist die Lufthansa Afrikas, also Kontinentalmeister. Wir haben den Boss Tewolde Gebremariam interviewt, eine sehr selbstbewusste Persönlichkeit. Er will Addis Abeba à la Dubai zum Drehkreuz Afrikas ausbauen. Beate Wedekind, die auf Ibiza, in Berlin und eben Addis Abeba lebt, hat dazu merkwürdigerweise den Vorspann geschrieben.
 

 
6. Istanbul: Der unschlag- und -schätzbare Helge Timmerberg war zu Gast im „Grand Hotel de Londres", das 1846 in Konstantinopel gebaut wurde und heute in Istanbul steht. Timmerbergs „Hoteltests" sind Kult, ihre Lektüre fast so schön wie „die große Freude" (F. Krull).
 
Allen Neuerungen zum Trotz bleibt unser Motto unverändert in Kraft: Wirtschaftsjournalismus ist eine viel zu ernste Angelegenheit, um keinen Spaß zu machen.
 
Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung mit der neuen Bilanz und grüße Sie herzlich,
 
Ihr Klaus Boldt


Foto: Simone Scardovelli

BILANZ ist am Freitag, dem 23. Februar, an allen Kiosken für 5 Euro erhältlich.